Vom Wert der Begegnung

Community-Treffen 2021

Autor:in: Katharina Hinze

Bild: Luisa Willmann

Vom Wert der Begegnung

Unser erstes Treffen der Ashoka-Community seit Beginn der Pandemie: Drei Tage mit 56 Changemakern. Eine Geschichte über Vertrauen, Austausch und gemeinsame Wirkung.

Oktober 2021. Es ist das erste Community-Treffen seit Beginn der Pandemie mit Ashoka Fellows, Unterstützer:innen, Partner:innen und Team. Wir wollen uns wiedersehen, austauschen und die neuen Fellows feiern. Wir wollen Vertrauen stärken, um die Gesellschaft miteinander nachhaltig und chancengerecht zu gestalten. Was sind unsere Herausforderungen und wie können wir sie gemeinsam angehen? Drei Tage mit Changemakern – Eine Geschichte über Vertrauen, Austausch und gemeinsame Wirkung.

Erster Tag. Aus Deutschland und Österreich reisen wir nach Süddeutschland ins Ökologische Tagungshaus Linden. Viele kennen sich gut, manche waren ein paar Mal dabei. Für viele ist es das erste persönliche Kennenlernen. Das jüngste Mitglied ist drei Monate alt, die Ältesten über 60, alle versammeln sich. Im Plenum bedeutet: draußen, im Kreis, zwischen dem Gasthaus und einem Wald. Mittags begrüßt Andrea von Ashoka die Community. „Ihr könnt eure Augen schließen“, sagt Andrea, gelber Pulli, die Haare zu einem Zopf gebunden und blickt langsam durch die große Runde. „Spürt eure Füße, wie sie im Boden stehen, holt tief Luft.“ Andrea fragt: „Wie fühlt ihr euch? Was erwartet ihr?“ Die Sonne scheint in die Gesichter, der Boden ist weich, das Gras feucht. Heute geht es ums Ankommen.

Das unterstützt Elisabeth Krön, rot-schwarzer Rock, weiche Gesichtszüge, schneller Gang. Sie ist Organisationstrainerin. Für die Übung „Oh, it`s you again!“ gehen auf die Wiese vor einem Maisfeld. Die Hälfte der Gruppe schließt die Augen und wird von unterschiedlichen Menschen geführt. Später sollen sie erkennen, wer sie zuerst geführt hat. Es geht um Fragen wie: „Was brauche ich, um gut arbeiten zu können? Wie ist der Kontakt zu verschiedenen Menschen? Wen führt ihr? Wie möchte ich diese Person berühren? Was ist passend?“, erklärt Elisabeth. Manche legen ihre Hand auf die Schulter ihres Schützlings, andere hacken sich ein, oder halten nur einen Finger. Alle bewegen sich langsam, dann viele schneller, manche tanzen, andere spazieren rückwärts. Das Gras raschelt, Wolken ziehen auf. Elisabeth wedelt mit den Händen. Das bedeutet: Partnerwechsel. „Tastet euch neu an die Person ran“, sagt Elisabeth. Wieder spazieren, laufen, tanzen, Partnerwechsel, bis alle ihre Ursprungsperson erkennen, einige früher andere später, alle mit einem Lächeln. Danach diskutieren manche: Wie viel Freiraum gebe ich einer Person? Wie viel gebe ich vor? Was ist eine gute Dynamik?

Abends begrüßt Andrea die neuen Fellows im Plenum. Ein Applaus heißt die neuen Fellows herzlich willkommen. Nach dem Abendessen sitzt eine Gruppe am Lagerfeuer. Manche erinnern sich an vergangene Treffen. Andere überlegen, wie sie den Charme halten und Innovationszyklen einbauen können. Der erste Tag zeigt: Die Menschen machen Ashoka und ihr Ziel, nachhaltig Veränderungen anzustoßen

Zweiter Tag. Um fünf Uhr verabreden sich die ersten Jogger, um sieben Uhr die Yogagruppe und um neun Uhr die ganze Community zum Wake-Up mit Elisabeth.

Danach gibt das Ashoka-Team ein Update an vier Stationen.  Bei „Ashoka als globale Organisation“ gibt Karin Einblick in die globale und europäische Strategie, wie wir zu einer Welt beitragen,in der jede:r ein Changemaker sein kann. Bei „Ashoka in Deutschland“ erklärt Laura, wie sich Ashoka in den vergangenen Jahren (weiter)entwickelt hat. Bei „Ashoka & Ich“ gibt Christine einen Überblick des erweiterten Netzwerkes und die Möglichkeiten es zu nutzen. Bei “Ashoka & Diversity, Equity and Inclusion” fragt Clara offen, ob wirklich everyone zu Ashoka kommt und sich wohl und sicher fühlt. Sprache und Inklusion sind hier Thema – und noch oft an diesem Treffen.

Für Diskussionen gib es Raum bei den parallelen Sessions „Arbeit mit Impact Investor:innen“, „Umwelt und Klimaschutz (in der Ashoka Community), „Aufwachsen als Changemaker“ oder in den Räumen zwischendurch, beim Essen. Mittags unterhalten sich alle bei veganen und vegetarischen Speisen. Es ist laut.  Die meisten haben vergessen, ob sie zur orangenen oder blauen Essensgruppe gehören. Vielleicht weil der Input bereits jetzt groß ist. Viele der ersten Essensgruppe bleiben länger sitzen. Das Bedürfnis nach Austausch ist spürbar.

Am Nachmittag fragt sich eine Gruppe in „Weshalb wir Social Impact Finanzierung in Deutschland revolutionieren müssen“, und sammelt konkrete Schritte dies gemeinsam anzugehen. Andere entscheiden sich hier für „Durchatmen und Verbinden“ und gehen ausführlich spazieren.

17 Uhr. Es ist schwierig, sich mit 56 Personen in drei Tagen auszutauschen. Deshalb sitzen wir im Plenum. Blätter werden verteilt. Jede:r hat fünf Minuten Zeit, um eine Austauschkarte zu schreiben. Mit Namen, Kontakt, ich biete, ich suche. Es hängen noch nicht alle Blätter, da kleben schon die ersten Personen Post-ist mit Anregungen oder Ideen für eine Zusammenarbeit.

Abends trifft sich eine kleine Gruppe für einen Achtsamkeitsspaziergang angeleitet durch Cornelius, der seiner Gruppe überlässt, ob sie sprechen möchten. Plötzlich wird es leise. Niemand sagt etwas für 45 Minuten, nur Cornelius, der Sinnesübungen einleitet. Es ist eine angenehme Stille. Nur Vögel zwitschern und Kies knirscht unter unseren Füßen. Es riecht nach Moos und Springkraut. Manche machen beim Improtheater mit, andere gehen mit Torsten Kräuter entdecken. Am nächsten Tag wird jemand beim Frühstück sagen, dass er an Ashoka mag, Menschen anderes kennenzulernen, Torsten als Kräuterexperte.

Dritter Tag. Heute werden in der „Fallklinik“ konkrete Anliegen und Fragen der Community besprochen wie „Unternehmerische Gestaltung im Team fördern“, „Unternehmensführung und Schwangerschaft/Elternzeiten“, oder: „Wie bereiten wir uns auf die Blockchain-Revolution vor?“ Auch die Frage nach „Raum für Strategie und Change“ am Alltag findet eine interessierte Gruppe.

Es ist zwölf Uhr, die Abschiedszeremonie beginnt. Auf der Wiese werden Stäbe verteilt, je zwei Menschen sollen den Stab jeweils am Ende halten, so dass er nicht oft runterfallen sollte. Elisabeth erklärt: „Der Kontakt soll die Beziehung stärken.“ Erst bewegen sich die Paare langsam, dann verbinden sie sich mit anderen Paaren, steigen über Stäbe, drehen sich. Wenn der Stab runterfällt, heben sie ihn langsam auf und schauen ihre:n Partner:in an. Zum Schluss tanzen alle über die Wiese. Die Gruppe funktioniert.

„Was hat dir das Treffen gegeben?“, fragt Andrea danach. Jede:r sagt etwas und geht in die Mitte, um den Ashoka Baum zu bilden: Es lohnt sich jedes Mal, hier zu sein; Sozialunternehmertum lebt; Ganz viele Freunde wiedersehen; Ashoka verändert sich; Lagerfeuer; Inspiration; Schwarmintelligenz, große Verbundenheit; …

Dann stehen wir alle im Kreis. Auch Tobias, der zum ersten Mal dabei war, viele Kontakte geknüpft hat, er wisse jetzt wen er kontaktieren kann falls er ein bestimmtes Anliegen hat, erzählt er später. Wir spüren unsere Füße. Schließen die Augen. Atmen tief ein und aus. Andrea sagt: „Danke für eure starke Unterstützung, euer Vertrauen – Wir hoffen das bleibt und dass jeder auf den Schwarm zurückgreifen kann und wir uns verbinden.“

Danke an Luisa Willman für die Begleitung des Treffens in Wort und Bild. Über Feedback freuen wir uns – gern an info_de [at] ashoka Punkt org.