»Das soziale Engagement von Frauen ist sehr groß, die Absicht dahinter aber wenig unternehmerisch.«

Autor:in: Jana Gioia Baurmann

Bild: Klant/Angelina Bambina/Shutterstock

»Das soziale Engagement von Frauen ist sehr groß, die Absicht dahinter aber wenig unternehmerisch.«

Entstanden ist der Weltfrauentag, weil frau endlich gleichberechtigt sein wollte, wählen können wollte, sich emanzipieren wollte. Und ja, seitdem ist etwas passiert – aber nicht genug. Noch immer gibt es beispielsweise viel zu wenige Frauen, die gründen. Mit ein Grund, weshalb wir euch in dieser Woche fünf weibliche Fellows aus unserem Netzwerk vorstellen. Heute: Margret Rasfeld.

Ashoka: Was war deine Motivation, dich sozial zu engagieren?

Margret: Ich komme ursprünglich aus einem sozialen Beruf: Ich bin Lehrerin. Als solche habe ich gemerkt, wie rückständig und wenig zukunftsfähig das Bildungssystem ist. Über meinen Beruf hinaus wollte ich noch mehr erreichen und deswegen habe ich mich entschieden, »Schule im Aufbruch« zu gründen.

Wie können wir es deiner Meinung nach schaffen, dass sich mehr Frauen sozial engagieren?

Frauen engagieren sich sehr, viel mehr als Männer – aber eben oft im Ehrenamt. Sie sind Mütter, sie pflegen andere, sie wirken zuhause. Das soziale Engagement ist sehr groß, Absicht und Denke dahinter aber wenig unternehmerisch. Woran das vor allem liegt? Unternehmerisches Handeln hat an unseren Schulen keinen Raum. Nur wenn wir Unternehmertum beispielsweise mit Themen wie Klima und Nachhaltigkeit verbinden, können wir das ändern.

Welche Barrieren existieren noch? 

Die Frage ist doch eher: Was können wir eigentlich tun, um Veränderungen anzustoßen? Wir brauchen Vorbilder: Erwachsene, zu denen Jugendliche und Kinder aufschauen können. 2020 war das Jahr der Frauen: die deutsche Kapitänin Carola Rackete, Greta Thunberg sowie die vier Nobelpreisträgerinnen Andrea Mia Gehz, Emanuelle Marie Carpentier, Jennifer A. Doudna und Louise Glück – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese und andere erfolgreiche Frauen sind in der Öffentlichkeit jedoch – abgesehen von Greta Thunberg vielleicht – nicht ausreichend präsent. Sie sind aber genau die Vorbilder, die Mädchen und junge Frauen brauchen.

Wie ist die Situation später, im Berufsleben?

Noch immer werden Männer eher bevorzugt als Frauen. Das muss sich ändern. Es muss mehr Gesetze geben, die die Rechte von Frauen stärken. Gesellschaftlich müssen wir es schaffen, öffentlich stärker aufzutreten, eine lautere Stimme zu bekommen – nur so können sich junge Frauen ermutigt fühlen und trauen sich mehr. Was das Selbstverständnis als Sozialunternehmerin angeht: Hier fehlt im deutschen Bildungssystem nach wie vor eine gezielte Förderung. Länder wie beispielsweise Kanada sind da schon weiter.

Margret Rasfeld ist Bildungsinnovatorin, Rednerin und Autorin. Mit ihrer Organisation »Schule im Aufbruch« werden seit 2013 erfolgreich Akteur:innen an Schulen im gesamten deutschsprachigen Raum inspiriert, ihre Schule zu einem Lernort der Potenzialentfaltung zu transformieren.

Die Fragen stellte Louise Dhavernas.