Grundlage Wissen.

Autor:in: Jana Gioia Baurmann

Grundlage Wissen.

Seit zwei Jahren gibt es das Learning and Action Center (LAC), ein europäischer Thinktank. Ziel der Initiative ist es, Ashoka eine wissenschaftliche Basis zu geben. Ashoka-Partnerin Alexandra Ioan im Gespräch darüber, welche Themen sich für Studien anbieten und was das LAC bislang dazugelernt hat.

Zwei Studien das LAC im Jahr 2019 auf den Weg gebracht: Die erste beschäftigt sich mit Lösungsansätzen der Ashoka-Fellows in Europa, in der zweiten geht es um Demokratie. Wie kamt ihr zu diesen Themen?

Als wir mit dem LAC begannen, hatte ich den Wunsch, jedes Jahr mindestens zwei Studien zu veröffentlichen: Eine, die die Relevanz unserer Fellowship unterstreicht – wie Creative Solutions –, und eine weitere, die tiefgründiger analysiert – wie Doing Democracy. Was die tiefgründige Analyse angeht, war mir wichtig, Ashoka anschlussfähiger zu machen für das, was in der Welt so passiert. Anfang 2019 habe ich mich hingesetzt und Themen aufgeschrieben, die die Gesellschaft zu jenem Zeitpunkt beschäftigt hat. Besser gesagt die Gesellschaften in ganz Europa, da das LAC ja eine europäische Initiative ist. Auf der Liste standen zum Schluss Begriffe wie Europawahl, Brexit, demokratische Herausforderungen in Ländern wie Polen und Ungarn. Medien, immer mehr Stiftungen und auch NGOs hatten begonnen, sich mit Demokratie zu beschäftigen beziehungsweise darüber nachzudenken, weil allen klar war: Demokratie bleibt nicht einfach so bestehen. So entstand die Idee zu Doing Demo­cracy.

Sobald ein Thema feststeht, mit dem ihr euch näher beschäftigen wollt – wie geht ihr vor? Das LAC ist ja ein sehr kleines Team …

Das stimmt. 2019 waren wir meist zu dritt: eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, eine Praktikantin und ich. Zusammen haben wir überlegt, welche Fellows in der Studie vorkommen sollen. Dann haben wir Interviews geführt und ausgewertet und die Studie strukturell aufgebaut. Die Praktikantin half vor allem dabei, die Webseite aufzubauen, kleine Grafiken anzufertigen, solche Sachen.

Wie wurde die Demokratie-Studie aufgenommen?

Intern haben sich viele gefreut, dass es nun endlich eine tiefere Analyse gibt. Nach dem Motto: Endlich können wir auch andere Botschaften nach außen tragen als ausschließlich die Fellow-Profile. Es gab jedoch auch Kritik – etwa, dass die Studie zu leise sei. Aber vielleicht liegt das auch einfach daran, dass Wissenschaft und Marketing verschieden ticken. Am meisten gefreut habe ich mich über ein externes Feedback: Ende vergangenen Jahres war ich in Gesprächen mit einem Thinktank aus Großbritannien und einer aus diesem Team, der sich mit Bürgerbeteiligung und Demokratie beschäftigt, kam zu mir und meinte, dass er die Studie gelesen habe und sie großartig finde. Die sieben Trends, die wir erarbeitet haben, wolle er in einem Projekt anwenden. Und genau das hatte ich mir ja gewünscht: Dass unsere Sprache und die Inhalte anschlussfähig sind und unsere Ergebnisse nicht nur eine PDF-Datei im Ashoka-Kosmos bleiben.

Was hast du von Studie zu Studie gelernt?

Vieles, natürlich. Bei Creative Solutions gab es beispielsweise niemanden, der oder die sich um Kommunikation gekümmert hat. Als die Studie erschien, war das Feedback sehr gut, allerdings hätten wir wohl viel mehr daraus machen können. Wie gesagt: Das Thema hat ja viele, aus ganz unterschiedlichen Bereichen, interessiert. Im September stieß dann Morgan Cole zum Team. Von München aus kümmert er sich seitdem darum, unsere Ergebnisse möglichst weit zu verbreiten.

Im Mai dieses Jahres erschien eine dritte Studie: »Systemic and empowering. Social entrepreneurship in the time of philantrocapitalism«. Wie kamt ihr darauf?

Ashoka redet sehr viel von Systemwandel. Aus wissenschaftlicher Sicht kann man sich fragen: Was bedeutet das denn? Eine unserer Prioritäten sollte also sein, Fallbeispiele zu haben, dachte ich – die dritte Studie liefert nun diese Beispiele. Ein weiterer Punkt: Von Anfang an war die Idee hinter dem LAC auch, zusammen mit anderen Ashoka-Programmen zu arbeiten, weil wir damit die gesamte Organisation stärken. Die dritte Studie ist gemeinsam mit dem Ashoka Globalizer entstanden. Weder die Zeit noch die Kapazitäten reichten leider aus, um eine Systemwandel-Messung durchzuführen, aber wir haben fünf Beispiele herausarbeiten können, die jeder in der Organisation benutzen kann, um Systemwandel zu erklären.

Das LAC wurde gegründet, um Ashoka eine wissenschaftliche Basis zu geben. Was ist dein Gefühl: Seid ihr auf einem guten Weg?

Im Juli wurde das LAC zwei Jahre alt – wenn ich zurückblicke, haben wir viel erreicht in dieser Zeit. Ich erinnere mich noch an eine Google Docs-Datei aus der Anfangszeit, wo wir gesammelt haben, was das LAC sein könnte. Vieles von dem ist seitdem umgesetzt worden. Was mich ebenfalls freut: Jede*r im Netzwerk weiß inzwischen, was das LAC ist. Was wir machen und woran wir arbeiten. Durch drei Veröffentlichungen haben wir geschafft, uns als Initiative zu etablieren. Als Wissenschaftlerin könnte ich mir methodologisch mehr vorstellen, gleichzeitig aber leisten wir Großes mit den wenigen Kapazitäten, die wir haben.

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