»Man merkt bei einer Person sehr schnell, ob sie ein unternehmerisches Gen hat.«

Autor:in: Jana Gioia Baurmann

»Man merkt bei einer Person sehr schnell, ob sie ein unternehmerisches Gen hat.«

Ashoka ist stets auf der Suche nach neuen Fellows. Das sind Menschen, deren Idee ein Problem beseitigt. Deren Idee gesellschaftlich Wirkung zeigt. Es gibt viele tolle und innovative Ideen – doch nicht alle Menschen dahinter werden Ashoka-Fellows. Um einen Einblick in den Prozess zu bekommen, haben wir mit Gregor Hackmack gesprochen. Gregor ist Vorstand von Change.org, Mitgründer von abgeordnetenwatch.de – und  seit 2008 selbst Ashoka-Fellow.

Ashoka: Gregor, du hast schon ein paar potenzielle Fellows vorgeschlagen – warum machst du das?

Gregor: Ich denke, dass das eine super Chance ist, weil man als Fellow an seinem Projekt arbeiten kann und die größtmögliche Unterstützung bekommt. Und weil ich mich immer sehr freue, wenn Menschen Initiativen vorantreiben und Ideen haben, die die Gesellschaft positiv verändern, schlage ich mögliche Kandidat:innen vor.

Du sprichst ja aus eigener Erfahrung. Was hat es dir gebracht, Ashoka-Fellow zu werden?

Die Plattform abgeordnetenwatch.de hatte ich 2004 mitgegründet, als Fellow wurde ich 2008 aufgenommen. Fellow zu sein hat mir damals sehr geholfen. Da ist zum einen das Identitätsstiftende, also die Gewissheit, dass man nicht alleine ist und der Plan, keine klassische Karriere verfolgen zu wollen, kein verrückter ist. Und dann natürlich das ganz Praktische: das Stipendium, das dich von der normalen Erwerbsarbeit befreit – zumindest für einige Zeit. Und die gesamte Unterstützung aus dem Netzwerk, die für abgeordnetenwatch.de und mich als Sozialunternehmer entscheidend war.

Inwiefern?

Es war ein sehr mühsamer Weg, ein Projekt wie abgeordnetenwatch.de in eine etablierte und vor allem stabil finanzierte NGO zu entwickeln. Am Anfang waren wir beiden Gründer, Boris Hekele und ich, komplett ehrenamtlich unterwegs und hatten lediglich Serverausgaben von vier Euro pro Monat. Bei der Entscheidung, alle anderen Pläne aufzugeben und »all-in« zu gehen, hat die Sicherheit und die Unterstützung durch das Ashoka-Netzwerk maßgeblich geholfen.

Wenn du anderen Sozialunternehmer:innen begegnest – wann denkst du, dass diese Person zu Ashoka passen könnte?

Man spürt ziemlich schnell, ob jemand eine Mission hat, sich als Person auch wirklich mit der Idee verbindet und für sie brennt. Für eine Idee, die innovativ sein muss. Dadurch, dass ich schon mal Teil des Ashoka-Ausschusses war und potenzielle Fellows interviewen durfte, bin ich vertraut mit den Ashoka-Kriterien. Während so eines Gesprächs merke ich relativ schnell, ob eine Person die Voraussetzungen mitbringt, sich für eine Fellowship zu qualifizieren.

Die Gespräche im Ausschuss sind sehr intensiv – und man begegnet einem möglichen Fellow persönlich …

In diesem Rahmen merkt man sehr schnell, ob die Person ein unternehmerisches Gen hat. Also ob er oder sie pragmatisch ist, innovativ ist, bereit ist, ins persönliche Risiko zu gehen und keine reine Angestelltenmentalität mitbringt, nach dem Motto: von Tag eins an bin ich abgesichert und bekomme ein gutes Gehalt. Und dass die Person wirklich getrieben ist von der sozialen Innovation, das heißt, das Ziel hat, etwas zu verändern – und dafür alle möglichen Wege findet. Dass es mehr ist als nur ein Job oder ein Karriereweg. Ich kenne niemanden, der sagt: Ich will Sozialunternehmer:in werden! Eher schon: Mir ist das eine Thema wichtig und deswegen suche ich nach Lösungen, dieses Thema – immer ja ein Problem – anzugehen.