»Mit der Wende 1989 kam für mich der Rückschritt in puncto Emanzipation.«

Autor:in: Jana Gioia Baurmann

Bild: Angelina Bambina/Shutterstock/privat

»Mit der Wende 1989 kam für mich der Rückschritt in puncto Emanzipation.«

Entstanden ist der Weltfrauentag, weil frau endlich gleichberechtigt sein wollte, wählen können wollte, sich emanzipieren wollte. Und ja, seitdem ist etwas passiert – aber nicht genug. Noch immer gibt es beispielsweise viel zu wenige Frauen, die gründen. Mit ein Grund, weshalb wir euch in dieser Woche fünf weibliche Fellows aus unserem Netzwerk vorstellen. Heute: Manuela Richter-Werling.

Ashoka: Was war deine Motivation, dich sozial zu engagieren? 

Manuela: Mich interessiert, wie andere Menschen leben, was sie denken, wie sie sich verhalten, was sie tun – besonders dann, wenn das Leben schwierig wird. Solche Geschichten habe ich schon als Kind aufgesogen. Wenn ich es genau bedenke, haben mich dabei schon immer starke Frauen beeindruckt und begeistert: meine  Omi, Rosa Luxemburg, Franziska Linkerhand, die Heldin in dem gleichnamigen Buch von Brigitte Reimann, die Schriftstellerin Maxi Wander mit ihrem Buch Guten Morgen, du Schöne . Alles lebenshungrige Frauen, kompromisslos, lustvoll und mutig – bereit, die Welt schöner zu machen. Das hat mich angesteckt.

Wie können wir es deiner Meinung nach schaffen, dass mehr Frauen sich sozial engagieren?

Ich glaube, dass sich die meisten Frauen immer schon sozial engagieren: in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein, in der Schule und so weiter – selbstverständlich, wenig sichtbar, ohne große Worte und Aufhebens darum zu machen. Das Unsichtbare und Selbstverständliche sichtbarer zu machen und dort anzuknüpfen – vielleicht ist das ein Weg.   

Welche Barrieren existieren noch? 

Bis zu meinem 30. Lebensjahr bin ich in der DDR aufgewachsen und habe mich und die Frauen um mich herum als emanzipiert erlebt: Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen, viele alleinerziehend, nicht viel Geld, aber genug, um unabhängig als Frau und alleinerziehende berufstätige Mutter zu leben. Mit der Wende 1989 kam für mich der Rückschritt in puncto Emanzipation. Daran hat sich aus meiner Sicht bis heute nicht viel geändert. Spannend fände ich, Angela Merkel mal einzuladen, wenn sie nicht mehr Bundeskanzlerin ist. Ich glaube, von ihr können wir eine Menge lernen.

Irrsinnig Menschlich e.V. begeistert seit 20 Jahren Jugendliche und junge Erwachsene mit Präventionsangeboten zur psychischen Gesundheit. Das ist bedeutsam, weil die Mehrheit aller seelischen Störungen vor dem 20. Lebensjahr beginnt, also in einer Zeit, die für eine erfolgreiche gesundheitliche Entwicklung, Sozialisation und letztlich für die Lebensqualität entscheidend ist.   

Die Fragen stellte Louise Dhavernas.