»Wir bieten angegriffenen
Journalist:innen Beratung«

Autor:in: Jana Gioia Baurmann

Bild: Casimiro PT/Shutterstock

»Wir bieten angegriffenen
Journalist:innen Beratung«

Weltweit lässt sich die Tendenz beobachten, dass Journalist:innen eingeschüchtert, inhaftiert oder diffamiert werden, um ihre Arbeit zu verhindern oder Einfluss auf sie zu nehmen. »Lügenpresse!«, rufen einige Bürger:innen. Andere begreifen Fake News als Wahrheit. Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit haben wir mit Ashoka-Fellow Anna-Lena von Hodenberg gesprochen. Mit ihrer Organisation HateAid unterstützt sie (auch) Journalist:innen, die beschimpft und bedroht werden.

Ashoka: Was bedeutet Pressefreiheit für dich? Und warum ist sie wichtig?

Anna-Lena: Pressefreiheit ist die Grundlage für eine offene und liberale Demokratie. Nur wenn Medien unabhängig und ungestört berichten können, Zugang zu Informationen haben und ohne Druck publizieren können, haben wir informierte und selbstbestimmte Bürger:innen.

Wo siehst du die Pressefreiheit aktuell in Gefahr?

Journalist:innen werden zunehmend im Netz gezielt bedroht und angegriffen. Das hat eine Studie des Mediendienstes Integration gezeigt und das erleben wir auch in der Beratung. Das kann auch in analoge Gewalt übergehen. Reizthemen sind Migration, Rechtsextremismus oder AfD. Die Folgen sind verheerend: Ein Teil möchte zu bestimmten Themen nicht mehr berichten oder traut sich nicht mehr in die Öffentlichkeit. Es wird versucht, vor allem kritische Journalist:innen mundtot zu machen und leider funktioniert das zum Teil auch. Besonders betroffen sind Frauen oder migrantisch gelesene Journalist:innen.

Wie können wir es schaffen, diese Probleme zu bewältigen?

Wir müssen Journalist:innen besser schützen: mit Beratung, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Solidarität. Da sind wir als Gesellschaft gefragt, aber auch die Politik muss entschieden handeln. Vor allem freie Journalist:innen brauchen Rückhalt von den Redaktionen, in denen sie arbeiten. Wir dürfen nicht zulassen, dass Journalist:innen eingeschüchtert oder ihre Arbeit so massiv diskreditiert wird, etwa wenn von »Lügenpresse« gesprochen wird. Das sind gezielte Kampagnen, um eine wichtige Säule unserer Demokratie zu destabilisieren.


Wo setzt die Arbeit deiner Organisation da an? 

Wir bieten angegriffenen Journalist:innen emotional-stabilisierende Erstberatung, Sicherheits- und Kommunikationsberatung. Außerdem unterstützen wir sie dabei, anzuzeigen und übernehmen zum Teil auch die Kosten für Zivilverfahren. Dabei konnten wir schon einige Journalist:innen erfolgreich unterstützen. Wir wollen verhindern, dass sie sich aus dem Netz oder aus bestimmten Themenbereichen zurückziehen.

Die Fragen stellte Louise Dhavernas.