Annette Habert

Annette Habert

Flechtwerk 2+1

Kurzbeschreibung

Getrenntlebende Eltern und ihre Kinder brauchen stabile Bindungen und die Gewissheit, dass jeder von ihnen eingebunden ist in das Beziehungsgeflecht einer tragenden Gemeinschaft. Annette Habert stärkt pragmatisch das gesellschaftliche Engagement für die Bindungssicherheit von Kindern in multilokalen Familien.

Die Person

Annette Habert ist Pädagogin und zertifizierte Elternbegleiterin und wuchs mit drei Geschwistern in einer stärkenden Komplettfamilie auf. Sie war alleinerziehend für zwei eigene Kinder sowie für ein Pflegekind verantwortlich. Viele prägende Situationen aus dem eigenen Familienleben ließen sie, ..

Annette Habert ist Pädagogin und zertifizierte Elternbegleiterin und wuchs mit drei Geschwistern in einer stärkenden Komplettfamilie auf. Sie war alleinerziehend für zwei eigene Kinder sowie für ein Pflegekind verantwortlich. Viele prägende Situationen aus dem eigenen Familienleben ließen sie, wie sie sagt, zur „Familien-Handwerkerin” werden. Ausgelöst durch den Wunsch eines Kindes initiierte Annette Habert das bundesweite Besuchsprogramm „Mein Papa kommt“, durch das Eltern nach Trennungen mit ihren entfernt lebenden Kindern verbunden bleiben können. Seitdem regt sie Entscheidungsträger in der Familienbegleitung und -betreuung an, multilokale Familien noch stärker zu unterstützen. Mit dem Soziologen Jobst Münderlein gründete sie 2012 die Flechtwerk 2+1 gGmbH zur Stärkung von Kindern mit zwei Elternhäusern.

Der Ansatz

„Mein Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer. Da kann er ja im Auto schlafen. Kannst du da was machen?“ Der Wunsch des neunjährigen Sven war der Beginn von „Mein Papa kommt“, dem Besuchsprogramm für Kinder mit zwei Elternhäusern. „Mein Papa ..

„Mein Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer. Da kann er ja im Auto schlafen. Kannst du da was machen?“ Der Wunsch des neunjährigen Sven war der Beginn von „Mein Papa kommt“, dem Besuchsprogramm für Kinder mit zwei Elternhäusern. „Mein Papa kommt“ vermittelt getrenntlebenden Eltern bundesweit ehrenamtliche Gastgeber am Wohnort des Kindes und stärkt sie durch ein pädagogisches Coaching in der Kompetenz zu einer Umgangsgestaltung über große räumliche Distanzen hinweg. Ein Anreiseweg von 500 km ist für Flechtwerk-Eltern die Regel. Institutionelle Gastgeber ergänzen an Wochenenden dieses Angebot durch „Kinderzimmer auf Zeit“ z.B. in Kindergärten oder in Mütter- und Familienzentren. Flechtwerk 2+1 versteht sich als Brückenschlag zu bestehenden Angeboten der frühen Hilfe sowie der Familienbildung und setzt sich als Themenanwalt für die Realisierung des Umgangsrechtes in multilokalen Familien ein.

Warum das wichtig ist

In Deutschland wächst jedes sechste Kind nach einer Trennung der Eltern in zwei Elternhäusern auf (Väterreport 2016, BMFSFJ 2016). Individualisierungs- und Flexibilisierungsprozesse verstärken dabei das Phänomen der Multilokalität von Familie. Es fehlen gesellschaftliche Strukturen, die bei gr ..

In Deutschland wächst jedes sechste Kind nach einer Trennung der Eltern in zwei Elternhäusern auf (Väterreport 2016, BMFSFJ 2016). Individualisierungs- und Flexibilisierungsprozesse verstärken dabei das Phänomen der Multilokalität von Familie. Es fehlen gesellschaftliche Strukturen, die bei größeren Entfernungen zwischen den Eltern einen kindeswohlfördernden Umgang zwischen Eltern und Kindern ermöglichen. Darüber hinaus gilt es die Besuchsschwelle für belastete Eltern zu reduzieren, durch erschwingliche Übernachtungsmöglichkeiten, ausreichende Räume auch für unbegleitete Eltern-Kind-Umgänge, Schul- und Erziehungsberatung am Wochenende, etc.. Finanzielle, organisatorische und psychisch belastende Bedingungen führen oft zum Beziehungsabbruch zwischen Eltern und Kindern und beeinträchtigen die physische und psychische Gesundheit von Kindern mit zwei Elternhäusern.  

Einblicke

Wirkungskette (2019)

Input

  • Gesamtbudget: 190.000 Euro davon 70 % Personalkosten

  • Finanzierung: 64 % durch öffentliche Hand, Rest durch Elternbeiträge und Spenden

  • 2,5 Vollzeitbeschäftigte

  • 1.950 Ehrenamtliche

Output

  • 1.279 registrierte Eltern, davon 90 % Väter, 10 % Mütter. 5 % der Eltern kommen aus dem Ausland. 70 % der besuchten Kinder sind im Alter von 0 – 6 Jahren

  • Jährlich ermöglichen wir bundesweit 4.500 Übernachtungen bei ehrenamtlichen Gastgebern und somit 4.500 Eltern-Kind-Besuche

  • Jährlich 180 pädagogische Eins-zu-Eins Elterngespräche à 45 Minuten

Wirkung

  • Eltern, die trotz Distanz eine Bindung zum Kind halten, entlasten den anderen alleinerziehenden Elternteil. Wir verhindern, dass aus dem Dreigestirn Vater, Mutter + Kind eine Zweipersonenfamilie entsteht

  • Die Akzeptanz familiengerichtlicher Regelungen steigt mit der Erfahrung niederschwelliger Realisierungsoptionen, um als getrenntes Paar für Bindungssicherheit auf Elternebene zu sorgen

  • Stabilisierung von Folgepartnerschaften und Folgefamilien durch außerfamiliäre Gastgeber

  • Stärkung des sozialen Engagement und der Ehrenamtsarbeit in der Gesellschaft. Das Besuchsprogramm eröffnet Chancen zu Erfahrungsaustausch und solidarischem Handeln über Gesellschaftsgrenzen hinweg.

Mitwirkende gesucht

Was wir aktuell planen:

  • Aufbau eines Teams von hauptamtlichen Mitarbeitern, Etablierung eines Fachbeirates

  • Ausweitung der Nutzerzahlen auf 2.000 neue Eltern bis Ende 2020 und Erweiterung der Website um einen Community-Bereich

  • Professionalisierung der „Pädagogischen Elternbegleitung“

  • Ausweitung des Kinderzimmer-auf-Zeit-Angebots in 20 weiteren Städten

  • Akquise der Anschlussfinanzierung zur weiteren Skalierung des Vermittlungsangebots von umgangsdienlichen Unterkünften für die Nacht und am Tag

  • Gewinnung von Spendern, Förderern und weiteren Kooperationspartnern

  • Lobbyarbeit für die Ermöglichung des Umgangsrechtes über die Grundsicherung

Dafür suchen wir:

Kooperationenbauer*in

Für die Initiative Kinderzimmer auf Zeit freuen wir uns über Kontakt zu Trägern von Kindertageseinrichtungen oder Elterninitiativen, die mitmachen wollen.