Emilia Roig

Kurzbeschreibung

Mit dem Center for Intersectional Justice, kurz CIJ, will Emilia die Art und Weise, wie Diskriminierung in den europäischen Gesellschaften verstanden und angegangen wird, verändern. Grundlage ist der theoretische Begriff der Intersektionalität, der die Art und Weise anerkennt, wie Rassismus, Sexismus und andere Ungleichheiten zusammenwirken, um multiple Marginalisierung zu erzeugen. Bedeutet: Diskriminierung und soziale Ungleichheit finden nicht nur auf einer Achse statt – Gender, Hautfarbe, Religion und so weiter stehen nicht isoliert für sich, sondern stets in Beziehung zueinander. Intersektionalität versucht, die zugrundeliegenden Unterdrückungssysteme in den Mittelpunkt der Antidiskriminierung zu stellen. Es geht darum, Diskriminierung innerhalb von Diskriminierung zu bekämpfen, Ungleichheiten innerhalb von Ungleichheiten sichtbar zu machen und Minderheiten innerhalb von Minderheiten zu stärken und ebenfalls sichtbar zu machen. Für Emilia ist Intersektionalität längst kein theoretischer Begriff mehr, sondern ein politisches Projekt

Die Person

Als schwarze jüdische Frau erkannte Emilia früh, wie verschiedene Formen von Diskriminierung in Institutionen wie der Schule, seitens der Gesellschaft, aber auch innerhalb der eigenen Familie auftreten können. Sie studierte Politikwissenschaft und Völkerrecht in Deutschland und Frankreich. Ansch ..

Als schwarze jüdische Frau erkannte Emilia früh, wie verschiedene Formen von Diskriminierung in Institutionen wie der Schule, seitens der Gesellschaft, aber auch innerhalb der eigenen Familie auftreten können.

Sie studierte Politikwissenschaft und Völkerrecht in Deutschland und Frankreich. Anschließend begann sie, sich intensiv mit Menschenrechtsfragen zu beschäftigen – bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Tansania und Uganda, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kambodscha, später bei Amnesty International und der Deutschen Föderation der Migrantinnenorganisationen. Doch überall war Emilia frustriert, weil sie nicht sah, wie sich Veränderungen vorantreiben lassen und koloniale Muster aufgebrochen werden können. In Gesprächen betont sie, dass das nicht unmöglich sei – allerdings habe sie ihre Rolle dort einfach nicht gesehen.

Während ihrer Doktorarbeit fand sie schließlich einen analytischen Rahmen, um das Erlebte, ihre Gefühle und Beobachtungen zu verstehen und zu artikulieren. Schnell wurde ihr bewusst, dass sie nicht im akademischen Bereich bleiben würde, sondern ihr Wissen nutzen wollte, um der Gesellschaft Theorien wie Intersektionalität verständlich zu machen. Auf einer Konferenz in Paris gelang es ihr, Prof. Kimberlé Crenshaw von ihrer Vision zu überzeugen und sie als Präsidentin des Center for Intersectional Justice zu gewinnen.

Der Ansatz

Ziel des Center for Intersectional Justice ist es, Intersektionalität in verschiedenen Bereichen zu vermitteln – und diese Bereiche miteinander zu verknüpfen: wissenschaftliche Forschung, politische Entscheidungsträger:innen sowie Aktivist:innen. Die Arbeit der Organisation basiert auf drei Sä ..

Ziel des Center for Intersectional Justice ist es, Intersektionalität in verschiedenen Bereichen zu vermitteln – und diese Bereiche miteinander zu verknüpfen: wissenschaftliche Forschung, politische Entscheidungsträger:innen sowie Aktivist:innen. Die Arbeit der Organisation basiert auf drei Säulen: Advocacy, Forschung und Bildungsarbeit. Im Advocacy-Bereich versucht das CIJ, den politischen Diskurs und politische Entscheidungen zu beeinflussen – nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene. Dafür sprechen Emilia und ihr Team mit Entscheidungsträger:innen und versuchen, den Diskurs durch Vorträge, Panelgespräche und Publikationen zu verändern. Im Bereich Forschung führt das CIJ Studien im Auftrag von Partnerorganisationen durch. Im Bereich Weiterbildung bietet das Team Workshops für private, öffentliche und zivilgesellschaftliche Institutionen Trainings an. Die Weiterbildung soll helfen, die jeweiligen Rahmenbedingungen in Bezug auf Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsarbeit erfolgreich zu verändern.

Mit seiner Arbeit will das CIJ bewirken, dass Unterdrückungs- und diskriminierungsfreie Strukturen durch Inklusion, Vielfalt und Gleichheit gefördert werden. Intersektionalität soll als Standardkonzept zur Bekämpfung von Diskriminierung institutionalisiert werden.

Warum das wichtig ist

Gleichheit und Nichtdiskriminierung sind Kernprinzipien der internationalen Menschenrechtsgesetzgebung. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen haben rechtlich bindende Verpflichtungen zur Förderung dieser Prinzipien. Doch selbst in Ländern, die Diskriminierung ausdrücklich verbieten, bestehen erh ..

Gleichheit und Nichtdiskriminierung sind Kernprinzipien der internationalen Menschenrechtsgesetzgebung. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen haben rechtlich bindende Verpflichtungen zur Förderung dieser Prinzipien. Doch selbst in Ländern, die Diskriminierung ausdrücklich verbieten, bestehen erhebliche Lücken im Rechtsschutz.

In direktem Widerspruch zu EU-Grundsätzen wie dem Minderheitenschutz und dem Diskriminierungsverbot gehören ethnische Minderheiten in ganz Europa zu denjenigen, die am stärksten der Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt sind (61%); dicht gefolgt von sexuellen Minderheitengruppen (51%) und behinderten Menschen (45%). Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen aus mehr als einem Grund diskriminiert werden, was zu kumulativen Benachteiligungen führt. So gehören Frauen aus ethnischen Minderheiten, ältere Frauen, schwarze Frauen und behinderte Frauen in vielen EU-Mitgliedstaaten zu den am stärksten benachteiligten Gruppen. Ähnliche Mehrfachdiskriminierung erfahren schwule oder lesbische Mitglieder ethnischer Minderheiten, behinderte Schwarze, jüngere Mitglieder ethnischer Minderheiten oder ältere behinderte Menschen. In Deutschland gibt es keine offizielle Grundsatzerklärung, die sich mit der Art und Weise befasst, wie schwarze Frauen oder Frauen aus Minderheiten gleichzeitig geschlechts- und rassistisch diskriminiert werden. Dies hat zur Folge, dass schwarze Frauen und Frauen aus Minderheiten in den offiziellen Strategien zur Bekämpfung von Geschlechterungleichheit und Rassendiskriminierung unsichtbar gemacht und für weitere Diskriminierungen anfällig gemacht werden.

 

Einblicke

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