Katja Urbatsch

Katja Urbatsch

ArbeiterKind.de

Kurzbeschreibung

Katja Urbatsch überwindet Hürden zum Studium für Kinder ohne akademischen Familienhintergrund. Die Vision von ArbeiterKind.de ist, dass jedes Nicht-Akademikerkind, das die Voraussetzungen mitbringt, ein Studium aufnehmen kann.

Die Person

Katja Urbatsch hat als Erste ihrer Familie ein Hochschulstudium absolviert. Obwohl sie von ihren Eltern unterstützt wurde, musste sie sich häufig kritischen Fragen aus der eigenen Familie stellen. Inhaltlich und organisatorisch war sie auf sich gestellt. Auch erfuhr sie erst spät von Stipendienpr ..

Katja Urbatsch hat als Erste ihrer Familie ein Hochschulstudium absolviert. Obwohl sie von ihren Eltern unterstützt wurde, musste sie sich häufig kritischen Fragen aus der eigenen Familie stellen. Inhaltlich und organisatorisch war sie auf sich gestellt. Auch erfuhr sie erst spät von Stipendienprogrammen, deren Existenz ihren Freund:innen mit Akademikereltern selbstverständlich bekannt war. Trotz dieser Umstände studierte sie erfolgreich und gab ihr Wissen über das wissenschaftliche Arbeiten in einem Kurs an jüngere Studierende weiter. Nach dem Erfolg dieses Kurses beschloss sie, die Ergebnisse und Inhalte im Internet zu veröffentlichen – und ArbeiterKind.de war entstanden.

Der Ansatz

ArbeiterKind.de bietet Schüler:innen und Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien umfassende und leicht zugängliche Informationen über Studienmöglichkeiten, Studienfinanzierung sowie Berufsperspektiven für Akademiker:innen. ArbeiterKind.de ist zwölf Jahre nach seiner Gründung die größte de ..

ArbeiterKind.de bietet Schüler:innen und Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien umfassende und leicht zugängliche Informationen über Studienmöglichkeiten, Studienfinanzierung sowie Berufsperspektiven für Akademiker:innen. ArbeiterKind.de ist zwölf Jahre nach seiner Gründung die größte deutsche Community für alle, die als Erste in ihrer Familie studieren. Über 6.000 Ehrenamtliche in 80 lokalen Gruppen stehen in ganz Deutschland Schüler:innen und Studierenden vor Ort mit umfangreichen Informationsangeboten zur Seite. Sie kompensieren die mangelnde Hilfestellung aus dem familiären Umfeld. So ermutigen Menschen, die den Bildungsaufstieg bereits erfolgreich gemeistert haben, die nachfolgenden Generationen pragmatisch und mit Verständnis für die Situation – vom Studieneinstieg bis zum Abschluss und Berufseinstieg. Ergänzt wird die persönliche Unterstützung durch eine umfangreiche Webseite, ein eigenes soziales Netzwerk für die Ehrenamtlichen und ein kostenloses Infotelefon. Auf dem Videoportal www.ersteanderuni.de erzählen Studierende, aber auch Menschen aus Politik und Wirtschaft, ihre Geschichte und ermutigen zum Studium. ArbeiterKind.de schafft somit erstmals eine positive Identität für eine systematisch benachteiligte Gruppe.

Warum das wichtig ist

Auch wenn das Bildungsniveau in Deutschland insgesamt gestiegen ist und es immer mehr akademisch Qualifizierte gibt, entscheidet immer noch die soziale Herkunft über den Bildungsweg. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 79, von 100 Kindern aus Familien ohne studierte Eltern nur 27, obwo ..

Auch wenn das Bildungsniveau in Deutschland insgesamt gestiegen ist und es immer mehr akademisch Qualifizierte gibt, entscheidet immer noch die soziale Herkunft über den Bildungsweg. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 79, von 100 Kindern aus Familien ohne studierte Eltern nur 27, obwohl fast doppelt so viele das Abitur erreichen (Daten der aktuellsten Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung [DZHW] zur Hochschulbeteiligung in Deutschland, 7. Mai 2018). Das ist nicht nur ungerecht; angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist es auch eine dramatische Potenzialverschwendung. Die finanzielle Belastung ist dabei nur einer von vielen Gründen, die talentierte Nicht-Akademikerkinder von einem Studium abhalten: Das familiäre Umfeld rät eher zu einer Ausbildung. Zudem trauen sich viele Nicht-Akademikerkinder trotz hervorragender Noten ein Studium nicht zu. Sie können nur schwer abschätzen, was sie erwartet und sind bezüglich ihrer Erfolgs-, Berufs- und Verdienstaussichten unsicher. Im Studium sehen sich Abiturient:innen aus Nicht-Akademikerfamilien mit weiteren Schwierigkeiten konfrontiert, die zu geringerem Studienerfolg oder Studienabbruch führen können: geringe oder fehlende familiäre Unterstützung emotionaler, fachlicher und finanzieller Art, wenig Vertrautheit mit dem System Hochschulstudium sowie Selbstzweifel und Finanzierungsprobleme.

Einblicke

Wirkungskette (2019)

Input

  • Gesamtbudget: 1.685.500 €, davon Personalkosten: 1.353.00 €, Sonstige Ausgaben: 332.500 €

  • 26 Hauptamtliche in Voll- und Teilzeit, davon eine Mitarbeiterin in Elternzeit

  • Über 6.000 ehrenamtliche Mentor:innen bundesweit

  • darüber hinaus fachliche Beratung durch Unterstützer:innen

Output

  • 80 Regionalgruppen von Ehrenamtlichen bundesweit

  • 14.900 Nutzer:innen des sozialen Netzwerks

  • Ca. 28.000 erreichte Schüler:innen und Studierende durch Veranstaltungen, Sprechstunden und Informationsstände

  • 620.000 Website-Besuche

  • Zahlreiche Medienberichte (u.a. Spiegel online, Focus online, Zeit Campus, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Deutschlandfunk, mdr, SWR, Hamburger Abendblatt, Thüringer Allgemeine, Augsburger Allgemeine, Der Tagesspiegel)

  • Kooperation mit Schulen, Hochschulen und anderen Servicestellen für Schüler:innen und Studierende

Wirkung

  • Abbau von Hürden für ein Hochschulstudium durch niedrigschwelliges Peer-to-Peer-Mentoring, Erhöhung der Studienquote von Nicht-Akademikerkindern

  • 96 % der Studierenden sowie 100 % der Schüler:innen bewerten die Unterstützung durch das Infotelefon als gut bis sehr gut. 92,6 % der befragten Schüler:innen und 84,3 % der Studierenden stammen aus einem nicht-akademischen Elternhaus. (Evaluation von ArbeiterKind.de, 2012-2014)

  • Auch ein Jahr nach der Veranstaltung verfügen die Teilnehmenden an einer Schulveranstaltung über einen deutlichen Informationsvorsprung gegenüber Nicht-Teilnehmenden

  • Erhöhung der Stipendiat:innenquote von Studierenden der ersten Generation durch enge Kooperation mit den Begabtenförderwerken

  • Stärkung der Zivilgesellschaft durch vielfältige Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements

Was wir aktuell planen:

  • Ausbau der lokalen Gruppen in ländlichen Regionen, Aufbau eines Partnerschulnetzwerkes

  • gezielte Ansprache von Schulen des zweiten Bildungswegs und Kooperationsveranstaltungen mit Volkshochschulen und Berufsinformationszentren

  • Qualitätssicherung durch Qualifizierung der Ehrenamtlichen und Studierenden

  • Gewinnung und Bindung von Förderern und Spender:innen, Ausbau des ArbeiterKind.de-Förderkreises