Lisette Reuter

Lisette Reuter

Un-Label

Kurzbeschreibung

Kulturelle Teilhabe ist ein Menschenrecht – doch die Gesellschaft und Politik hat versäumt, es einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ein Grund ist, dass Inklusion – auch und vor allem im kulturellen Bereich –, noch immer als kompliziert und zu kostspielig empfunden wird. Lisette möchte das ändern. Gemeinsam mit Akteur:innen aus dem Kultursektor will sie ein inklusives Netzwerk aufbauen. Mit ihrer Organisation Un-Label will sie der Politik zeigen, was möglich ist – und Veränderungen im politischen System anstoßen.

Die Person

Die Arbeit ihres Vaters, sagt Lisette, habe sie sehr geprägt. 1984 war er es, der hierzulande eines der ersten Theaterfestivals für Menschen mit Behinderung gründete. Als Jugendliche begann Lisette, bei dem Festival mitzuarbeiten. Nach der Schule begann sie, Sonderpädagogik zu studieren – stel ..

Die Arbeit ihres Vaters, sagt Lisette, habe sie sehr geprägt. 1984 war er es, der hierzulande eines der ersten Theaterfestivals für Menschen mit Behinderung gründete. Als Jugendliche begann Lisette, bei dem Festival mitzuarbeiten. Nach der Schule begann sie, Sonderpädagogik zu studieren – stellte jedoch schnell fest, dass die Starrheit des Bildungssystems eines der größten Hindernisse für eine inklusive Bildung ist. Raum für Kreativität gibt es hier nicht viel. Deswegen entschied Lisette sich, noch ein zweites Diplom Studium zu absolvieren. Bevor sie Un-Label gründete, entwickelte und implementierte sie internationale und kulturelle Projekte für eine medienpädagogische Organisation. Dort arbeitend verstand sie, dass interkulturelle Kompetenzen das fehlende Glied in der Gesellschaft sind. Kompetenzen, die Lisette als Fähigkeit versteht, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen zu verstehen, mit ihnen zu kommunizieren und effektiv mit ihnen zu interagieren. Sie verließ ihren Job, ließ sich als interkulturelle Trainerin weiterbilden, machte sich selbstständig und fing an mit der inklusiven, internationalen Kulturarbeit.

Der Ansatz

Mit Un-Label will Lisette zeigen, dass jede:r Mensch Zugang zu Kultur haben kann. Und sollte. Und dass Inklusion und Barrierefreiheit realisierbare Ziele sind. Mit Un-Label versucht sie, bestimmte und als selbstverständlich angesehene Meinungen der Gesellschaft zu stören, wie etwa die Auffassung, ..

Mit Un-Label will Lisette zeigen, dass jede:r Mensch Zugang zu Kultur haben kann. Und sollte. Und dass Inklusion und Barrierefreiheit realisierbare Ziele sind. Mit Un-Label versucht sie, bestimmte und als selbstverständlich angesehene Meinungen der Gesellschaft zu stören, wie etwa die Auffassung, dass eine Behinderung ein persönliches Defizit oder gar ein Mangel sei. Mit ihren Projekten – an denen Menschen aus aller Welt, mit und ohne Behinderung beteiligt sind – ermöglicht sie Begegnungen, die es sonst nicht gäbe. Und sie nutzt die Kulturindustrie als einen mächtigen Hebel, um die öffentliche Wahrnehmung zu verändern und etablierte Normen und Standards in Bezug auf Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zu verschieben. Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in das gesellschaftliche Leben, denn es ist in den wenigsten Fällen die Behinderung einer Person, sondern die Barrieren der Gesellschaft, die die Person an gleichberechtigter Teilhabe in unserer Gesellschaft behindert.

Lisettes Arbeit basiert auf drei strategischen Pfeilern:

  • Auf strategischer Ebene setzt sie bewährte Verfahren auf hohem Niveau und mit großer Hebelwirkung ein, die zeigen, dass Inklusion möglich ist.
  • Sie verbindet die beteiligten Kulturschaffenden mit einem leistungsfähigen Netzwerk von First Movern, die zu Multiplikator:innen in diesem Sektor werden.
  • Auf dieser Grundlage arbeitet sie mit politischen Akteur:innen zusammen, um die Rahmenbedingungen für Förderstrukturen neu zu gestalten.

Lisette ist davon überzeugt, dass eine Gesellschaft, die inklusiv und vielfältig ist, alle bereichert.  

Warum das wichtig ist

Die Kultur spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung der menschlichen Entwicklung und der Verwirklichung der Menschenrechte. Die Teilnahme am kulturellen Leben wurde zum ersten Mal in Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 formuliert und ist seither weltweit in verschi ..

Die Kultur spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung der menschlichen Entwicklung und der Verwirklichung der Menschenrechte. Die Teilnahme am kulturellen Leben wurde zum ersten Mal in Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 formuliert und ist seither weltweit in verschiedenen Formen bekräftigt worden. Während der Kultursektor bekanntlich einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leistet, hat er sich auch als ein wichtiges Element der sozialen und wirtschaftlichen Transformation, des sozialen Zusammenhalts und der Erziehung zur demokratischen Teilhabe manifestiert.

Wenn wir nach kultureller Teilhabe fragen, beschäftigen wir uns mit zentralen Fragen der Demokratie: Wie können wir den verschiedenen kulturellen Stimmen am besten Gehör verschaffen? Inwieweit prägen die verschiedenen Kulturen unsere Gesellschaft und damit unser Miteinander?

So ein Artikel 27 liest sich gut, doch in der Praxis hat nicht jeder die Chance, Kultur zu erleben beziehungsweise an ihr mit zu wirken. Dies betrifft insbesondere diejenigen, die sozial oftmals eh schon ausgegrenzt werden, darunter Menschen mit Behinderungen, aber auch ethnische Minderheiten, ältere Menschen und Migrant:innen (um nur einige zu nennen).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland etwa 7,9 Millionen Menschen mit einer einschränkenden Langzeiterkrankung, Beeinträchtigung oder Behinderung. Diese Gruppe ist in ihrer aktiven Teilnahme an Kunst, kulturellen Aktivitäten und am gesellschaftlichen Leben im Allgemeinen stark eingeschränkt.

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