Tobias Polsfuß

Tobias Polsfuß

WOHN:SINN

Kurzbeschreibung

Mit WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen e.V. trägt Tobias dazu bei, dass Menschen mit (insbesondere sog. geistigen) Behinderung in Deutschland selbstbestimmter leben können. Der Verein setzt sich für Wohnformen ein, in denen Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe zusammen wohnen.

In traditionellen Unterstützungs- und Wohnmodellen für Menschen mit Behinderungen in Deutschland sind Gleichberechtigung und Selbstbestimmung selten zu finden: In Heimen bleiben Menschen mit Behinderung unter sich und ihr Tagesablauf und ihre persönliche Entfaltung sind meist durch die Institution stark beschränkt. Wer nicht im Heim leben möchte , bleibt oft bei seinen Eltern wohnen, da es an attraktiven Wohnformen mangelt. Tobias bricht dieses Modell, indem er die Punkte zwischen inklusiven Wohninitiativen und dem größeren Ökosystem verbindet. Als Online-Plattform ist WOHN:SINN mit dem Ziel gestartet, inklusives Wohnen in Wohn- und Hausgemeinschaften zu einer national anerkannten Wohnform zu machen. Inzwischen hat der Verein auch Beratungsstellen aufgebaut und bietet Workshops an.

Die Person

Tobias startete WOHN:SINN ursprünglich als ehrenamtliches Projekt und ist mittlerweile Bundeskoordinator und Geschäftsführer des Vereins WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen e.V., der aus dem Projekt entstanden ist. Als Tobias 2013 von Landshut nach München zog, um in der Landeshauptsta ..

Tobias startete WOHN:SINN ursprünglich als ehrenamtliches Projekt und ist mittlerweile Bundeskoordinator und Geschäftsführer des Vereins WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen e.V., der aus dem Projekt entstanden ist.

Als Tobias 2013 von Landshut nach München zog, um in der Landeshauptstadt zu studieren, suchte er – wie jede:r Student:in – ein WG-Zimmer. Eine Bekannte erzählte ihm von Gemeinsam Leben Lernen e.V., einem Verein für Wohngemeinschaften, in denen behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammenleben. Tobias, der das Jahr zuvor in Athen verbracht hatte, um in einer Tagesstätte für behinderte Menschen sein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, war begeistert von der Idee. Er bewarb sich, wenig später zog er ein.

Dort wohnend wurde ihm bewusst, wie klein das Angebot an solchen Wohnformen ist – und dass es keine zentrale Informationsstelle darüber gab. Daraufhin startete er die Online-Plattform wohnsinn.org. Parallel dazu packte er seinen Rucksack und besuchte zahlreiche inklusive Wohngemeinschaften persönlich. Mit den vielen neuen Erfahrungen im Gepäck begann er bundesweit Vorträge und Workshops zu geben. 2018 gründete er gemeinsam mit den Bekanntschaften seiner Reisen und Vorträge den Verein WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen. Parallel dazu, erforschte er in seiner Masterarbeit, wie inklusives Wohnen zu einer Transformation der deutschen Behindertenhilfe und Wohnwirtschaft führen kann.

Bis heute begeistert ihn die besondere Atmosphäre in inklusiven WGs. Sie schaffen warme Orte, an denen sich Menschen in Ihrer Vielfalt akzeptieren und gemeinsam eine gute Zeit haben. Mit WOHN:SINN möchte er die Gründung inklusiver Wohnformen Schritt für Schritt immer niedrigschwelliger machen. Dabei brennt seine Leidenschaft vor allem für Wissenstransfer und die Befähigung von Menschen, ihr eigenes Leben verbessern zu können.

Der Ansatz

WOHN:SINN ist eine Netzwerkorganisation, die inklusive Wohninitiativen sowie das weitere Ökosystem (Wohnwesen, Selbsthilfe, Behindertenhilfe, Aktivist:innen) miteinander verbindet.. Als Verein schafft WOHN:SINN nicht selbst inklusive Wohnformen, sondern sieht sich als Motivator, Wissensvermittler u ..

WOHN:SINN ist eine Netzwerkorganisation, die inklusive Wohninitiativen sowie das weitere Ökosystem (Wohnwesen, Selbsthilfe, Behindertenhilfe, Aktivist:innen) miteinander verbindet.. Als Verein schafft WOHN:SINN nicht selbst inklusive Wohnformen, sondern sieht sich als Motivator, Wissensvermittler und öffentliche Stimme für inklusives Wohnen. Mit Wohn:sinn hat Tobias eine Dachorganisation gegründet, deren Strategie auf drei Säulen beruht:

  • Gemeinschaftsbildung, Vernetzung und Austausch
  • Das Wissen und Handwerkszeug erfolgreicher Wohnformen zu sammeln, aufzubereiten und zu verbreiten
  • Interessensvertretung und Information

Warum das wichtig ist

Wenn es um die Wahl und Gestaltung ihrer Lebenssituation geht, sind Menschen mit sogenannten geistigen und mehrfachen Behinderungen in Deutschland nach wie vor stark benachteiligt. Etwa die Hälfte der Erwachsenen mit sog. geistigen Behinderungen lebt in der eigenen Herkunftsfamilie, der Großteil d ..

Wenn es um die Wahl und Gestaltung ihrer Lebenssituation geht, sind Menschen mit sogenannten geistigen und mehrfachen Behinderungen in Deutschland nach wie vor stark benachteiligt. Etwa die Hälfte der Erwachsenen mit sog. geistigen Behinderungen lebt in der eigenen Herkunftsfamilie, der Großteil der anderen Hälfte in institutionellen Wohnformen.

Hierzulande gibt es etwa zehn Millionen Menschen mit offiziell anerkannten Behinderungen, davon davon nehmen fast eine halbe Millionen staatliche Unterstützungsleistungen beim Wohnen in Anspruch (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2020). Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat Deutschland offiziell anerkannt, dass behinderte Menschen das Recht haben außerhalb von besonderen Wohnformen – beispielsweise Heimen – zu leben (Vereinte Nationen 2008, Artikel 19, Nr. 1). Den Status quo zu ändern, ist zum politischen Ziel erklärt worden und hat seitdem Eingang in zahlreiche staatliche Aktionspläne erhalten. Die Lebensrealität behinderter Menschen in Deutschland unterscheidet sich davon leider noch gravierend.